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Udo einfach überall

01.10.2017

Hut, dunkle Sonnenbrille und enge Röhrenhose: Rund 200 Fans des Rockers Udo Lindenberg feierten ihr Idol an der Schlachte. Dass der Fantreff in Bremen stattfand, ist einer "Bierlaune" zu verdanken.

Mehr Udo geht nicht. Das Konterfei des Panikrockers prangt einfach überall. Lange Haare, breitkrempige Herrenhüte, dunkle Sonnenbrillen, ein bisschen sehen die Lindenberg-Fans – zumindest die männlichen – wie ihr Idol aus. Versammelt haben sie sich zum offiziellen Udo-Lindenberg-Fantreffen bei Dauerregen an der Schlachte, rund 200 an der Zahl. „Panik“ steht auf ihren schwarzen Jacken und „Lindianer“. Wo man hinschaut, ist Udo. Und ist er auch wieder nicht. Bis sich dieser eine Typ ganz nach vorne schiebt. Schwarze Röhrenhose, tief sitzender Schlapphut, dünne Krawatte. Eine lange Nase, die unter der großen Sonnenbrille hervorlugt. Und wenn er anfängt zu reden – schön nasal und nuschelig – das muss er sein. Udo Lindenberg persönlich. Oder?

„Man sieht wirklich kaum keinen Unterschied“, sagt Andy Griebe, schüttelt aber den Kopf. Der Mann, der neben ihm steht, ist zwar nicht der Rockmusiker, aber aus Westfalen kommt auch er. Genauso wie der echte Udo. Thomas Richter heißt der Mann – und ist offizielles Lindenberg-Double. Um als Zwilling der 71-jährigen Rock-Ikone durchzugehen, ist Richter zu jung. „Ich bin das Retortenbaby“, näselt er als Antwort. Dass Bremen an diesem Wochenende Zentrum des „Rockliner Veteranentreffen Nr. 7“ ist – wie der Fantreff sich nennt –, hat Andy Griebe angeleiert. Und das kam so: „Einfach aus einer Bierlaune heraus. Das Rockliner-Treffen ist jedes Mal in einer anderen Stadt. Ich wurde gefragt, ich habe nicht aufgepasst, und ich habe ja gesagt.“ Ein Jahr Planung und Organisation folgten.

Rockballaden, politische Statements und Partystimmung

Nun sind sie hier, die Udo-Verehrer. Sie machen Bremen zur „Hutstadt Nr. 1“ und ziehen um die Häuser. Am ersten Abend, da hatten die singenden Doubles der Rocklegende ihren großen Auftritt im Schnoor Eleven, berichtet Andy Griebe.

Sich lange an der Schlachte nassregnen lassen, wollen die Lindenberg-Fans nicht. Bald machen sie die Gräfin Emma, wo der Forbitter Shantychor sie begrüßt, zu ihrem rockigen Kreuzfahrtschiff – das macht Udo, der dicke Pötte liebt, nämlich auch so mit den großen Cruise-Linern. Auf solch ein Treffen fiebern sie alle hin, sagt Andy Griebe. „Für uns, die große Panikfamilie, ist das was ganz Tolles. Da gehen die Herzen richtig auf.“

Thomas Richter stimmt ihm zu. „Das ist eine Herzenssache. Man kennt sich, das sind echte Freundschaften.“ Ein bisschen sei der Rockliner-Treff wie eine Pilgerstätte, findet er. „Wir sind hier sozusagen auf dem Jakobs-, äh, Lindenweg.“ Mit Rockballaden, ein paar politischen Statements und einer Prise anarchischer Partystimmung geht die Reise gen Überseestadt zum großen Abend im Schuppen 2 los. Die Fans haben eine lebensgroße Skulptur des Künstlers mitgebracht, eine seiner Gitarren und die berühmten Lindenberg-Likörelle. Alles soll versteigert werden, der Erlös fließt in gute Zwecke: jeweils zur Hälfte an die Udo-Lindenberg-Stiftung und an den Bremer Verein Trauerland.

"Udo trinkt gerne Eierlikör. Und danach malt er damit"

Vor allem aus der Versteigerung der beiden poppig-bunten Aquarelle, für die der Sänger neben seiner Musik berühmt ist, hofft Griebe auf eine Stange Geld für die Organisationen. „Lindenberg ist ein richtig angesagter Künstler, so um die 10.000 Euro kann ein Bild schon bringen.“ Übrigens habe Udo eine ganz besondere Motivationsquelle aus, mit der er sich für seine Kunst motiviert: „Udo trinkt gerne Eierlikör. Und danach malt er damit.“

Eine andere Spendenaktion blitzt in Grün zwischen den Fans auf. Nein, es sind nicht die neongrünen Socken, eine Marke des Rockers und sein Zeichen für Regellosigkeit, das die Lindianer natürlich auch tragen. Es sind grüne Armbänder der „Du-musst-kämpfen“-Initiative von Jonathan Heimes, die Manfred Kliefken-Schmidt für einen kleinen Obolus verteilt. Heimes erkrankte als 14-Jähriger an Krebs, ließ eine Chemotherapie nach der nächsten über sich ergehen, erzählt Kliefken. Am Ende verlor er den Kampf. Heimes Mutmach-Spruch blieb jedoch. Der Erlös der verkauften Bänder kommt krebskranken Kindern zugute.

Das erste Mal hat der 48-jährige Darmstädter die Armbänder bei einem Lindenberg-Konzert in Papenburg dabei. „Da hab ich Udo im Hotel getroffen, er hat das Band gleich von meinem Arm gestreift“, sagt Manfred Kliefken-Schmidt. „Ich dachte, das macht er nur aus Spaß und trägt das kurz.“ Tatsächlich behielt er es den ganzen Abend an. „Das fand ich super. Jetzt trägt Udo die auch immer.“

Kunstfigur, Rock-Idol – Udo Lindenberg sei „einfach ein geiler Typ“, sagt Andy Griebe. „Damals, als es nur Schlager gab, kam er mit seiner Musik raus und hat die deutsche Sprache neu erfunden.“ Sein Engagement für die Beziehungen zur damaligen DDR, seine Ehrlichkeit, das imponiert dem Bremer.

Wer von den Anwesenden aber kennt Lindenberg besser als sein Lüner Double? „Ich kenne ihn seit 25 Jahren, das ist eine richtig geile Freundschaft. Inzwischen habe ich das Privileg, zu sagen: Ich bin Udos Stuntman", sagt Thomas Richter – natürlich nuschelnd und mit nasaler Stimme.

Text: Kristina Bellach
Fotos: Frank Thomas Koch

Und hier ein TV-Beitrag dazu von Radio Bremen.

Quelle: Weser-Kurier, 30.09.2017